schwer hören PDF Drucken E-Mail
Wort aus der Kirche vom 17.10.2009

Anzusehen ist es einem Menschen nicht, ob er gehört hat, was gesagt  wurde. Anzusehen ist es mir nicht, ob ich verstanden habe. Das kann ich für mich behalten. Und viele Menschen behalten es für sich – als ihr Problem. Ich könnte ja fragen: Wie war das eben?

Wie aber wird die Antwort sein? Deutlicher als vorher? Werde ich sie verstehen? Vielleicht habe ich den Zusammenhang missverstanden. Und wenn ich jetzt frage, dann fällt es auf. Ob ich für begriffsstutzig gehalten werde? Ob sich jetzt eine Kluft auftut und allmählich sich vergrößert?

Schwer hören ist schwer. Es ist nicht nur für die Ohren schwer;  es strengt die Seele an.
Ich bin allein mit der Sorge; denn den eigenen Eindruck kann ich mit anderen nicht teilen.
Und ich selbst muss mich aufmachen, mir medizinische Hilfe zu beschaffen.

Ich selbst muss nachfragen: Wie bitte? Manche Menschen halten sich mehr und mehr zurück, reden selbst weniger, ziehen sich zurück. Denn wer ist schon gewohnt, mehr Aufmerksamkeit für seine eigene Person einzufordern.

Schwer zu hören ist schwer für die Seele; kann ich soviel Kraft gewinnen, an den alltäglichen Gesprächen teilzunehmen? Manchmal habe ich doch nach großer Mühe des Zuhörens nur Unwichtiges gehört!

Eine schwerhörige Kollegin vermag es freundlich und klar zu erbitten, dass deutlicher gesprochen wird, dass sie angeschaut wird. Sie hat das trainiert. Training und Geduld brauchen alle Beteiligten, auch die, die reden.

Schwerhörigkeit betrifft viele Menschen; künftig werden wohl mehr und mehr junge Leute betroffen sein.  Der einzelne Mensch, der feststellt, schwer zu hören steht vor einer persönlichen Herausforderung, das Leben umzustellen.

Die evangelische und die katholische Kirche bilden Menschen für Schwerhörigenseelsorge aus; die neue evangelische Landespfarrerin für Gehörlose und Hörgeschädigte, Frau Elisabeth Strube, ist am vergangenen Sonntag in der Halberstädter Liebfrauenkirche eingeführt worden. Im Cochlear-Implant-Reha-Zentrum  im Cecilenstift wird das Hören angebahnt und geübt.

Auf das Gespräch zwischen Einzelnen, auf das Gespräch im Alltag aber kommt es an. Auf das Mitteilen und Anteilnehmen. Ist das zu viel Mühe? Worte sind wichtig wie tägliches Brot.

Ich glaube an den, der die Ohren öffnet. Ich glaube an den, der die Zunge löst.

Hannah Becker, Pfarrerin, Vorsteherin im Cecilienstift Halberstadt
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