Fachtagung 2010
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Fachtagung Neudietendorf

Handreichung „Reiche deine Hand!“ Das ist Jesu Auftrag, die gute Botschaft zu erfassen und sie weiterzureichen (Joh. 20,27). „Reiche deine Hand!“ Nicht nur für kommunikationsbehinderte Menschen heißt das, etwas vom Leben und Glauben zu erfahren. „Reiche deine Hand!“ Unter diesem Motto ließen sich engagierte Schwerhörige, Gehörlose, Hörsehbehinderte und Hörende im Januar zur NEUDIETENDORFER FACHTAGUNG 2010 einladen...


KR KillatNach der Eröffnung mit einem geistlichen Impuls zu Joh. 20,27 und der Vorstellungsrunde der Teilnehmenden hielt die Referentin der Ev. Kirche in Mitteldeutschland (EKM) für Sonderseelsorge, Kirchenrätin Barbara Killat (hd) eine lebendige Bibelarbeit zum Predigttext des folgenden Sonntags (Röm. 12,9ff.). Dabei mußten die Teilnehmenden nicht lange stillsitzen, sondern kamen gleich in Schwung und miteinander ins Gespräch.

ElschnerMit einem profunden Referat über „Barrierefreiheit auch für Hörgeschädigte“ von Jens Elschner (sh), Vorsitzender vom Landesverband der Hörgeschädigten Thüringen e.V., und seinen praktischen Beispielen im „Hör-Mobil“ wurde der Thementag „Sinnesbehinderung“ eröffnet. „Schwerhörige Menschen in der Kirchengemeinde – eine Bestandsaufnahme und der Versuch, Lösungsansätze zu finden“ bot daran anschließend MuthRosemarie Muth (hd), Audiotherapeutin und Beauftragte für Schwerhörigenseelsorge in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Sie machte u.a. deutlich, daß dieses Thema in der Praxis immer noch unterschätzt wird und welche hohe Bedeutung gerade bei kirchlichen Angeboten der menschlich-kommunikativen Ebene zukommt. Die persönliche Zuwendung sei entscheidend und mit RoggeTechnik allein nicht zu kompensieren. Wie das konkret aussehen kann, erfuhren die Teilnehmenden dann beim Thema „Barrierefreie Glaubensfeiern: hörsehbehinderte Menschen im Gottesdienst“ von und mit Alfons Rogge (gl), Vorsitzender des Verbandes der Katholischen Gehörlosen Deutschlands e.V., dem sich die beeindruckenden Präsentationen über das „Leben mit Hörsehbehinderung“ von Achim Barth (hd) und Frau Mischketat (gl) vom Hermann-Gocht-Haus Zwickau bzw. von Uta Hübenthal (hd) vom Wohn- und Therapiezentrum für Menschen mit Taubblindheit und Hörsehbehinderung Leinefelde anschlossen.

Den Höhepunkt der NEUDIETENDORFER FACHTAGUNG 2010 bildete der Thementag „Sprachkompetenz“, der mit dem Vortrag des taubblinden Diakons HeppPeter Hepp zum Thema „Verkündigung und Muttersprache“ nahtlos an die bisherigen Beiträge anschloß. Darin machte er den Teilnehmenden Mut, weniger Worte zu verlieren als viel mehr in die Tat umzusetzen. Sein Plädoyer: weg von der „quantitativen Kompliziertheit“ der Besprechungen und Anträge hin zu einer „qualitativen Einfachheit“ der Beziehungen untereinander und zu Gott. Dazu stellte er sich in einer Podiumsdiskussion nicht nur den Fragen der Teilnehmenden, sondern auch den Erfahrungen bzw. Hoffnungen von Heidemarie Seyffart (gl) und Josephine Hoffmann (gl), die beide ehrenamtlich im Verkündigungsdienst arbeiten. Gerade von den Hörenden erwarteten sie mehr Bereitschaft, die Gebärdensprachkultur zu akzeptieren als bisher, damit Teilnehmendekirchliche Verkündigung und Seelsorge noch authentischer und wahrhaftiger die Menschen erreicht. Daß sie damit bei den Teilnehmenden offene Türen einrannten, zeigte sich in den Workshops von Katrin Koschollek (gl) und Ursula Schiebel (hd), DGS-Dozentin bzw. Dolmetscherin in Erfurt, unter deren kompetenten Leitung auf verschiedenen Sprachlevels fleißig biblische Geschichten visualisiert und gebärdet wurden. Zum Ausklang des Tages ließen die Teilnehmenden den Film „Taube Zeitzeugen. Die deutsche Revolution!“ vom Deaf-Medien-Verein Leipzig auf sich wirken – eine ergreifende Dokumentation, wie Gehörlose die friedliche Revolution vor 20 Jahren erlebt haben.


KruscheNach dem Gottesdienst mit Reisesegen am Ende der Tagung reichten sich die Teilnehmenden schließlich die Hände zum Abschied. Sie haben miteinander eine reich gefüllte Zeit der kollegialen und geistlichen Gemeinschaft verbracht, die neben Andachten und Referaten auch aktuelle Informationen aus den Dachverbänden ESiD, IVSS und DAFEG sowie zur sozialen Gesetzgebung geboten hatte. Allen Mitwirkenden sei an dieser Stelle noch einmal herzlich gedankt.

Die Besonderheit der diesjährigen Fachtagung bestand aber zweifelsohne darin, daß sowohl Hörende wie Schwerhörige als auch TschirschnitzHörsehbehinderte und Gehörlose in einer Minderheitssituation waren und somit keine Dominanz einer bestimmten Kommunikationsform entstand. Gegenseitige Rücksichtnahme und zahlreiche Handreichungen sowie Hörschleifen, exzellentes Dolmetschen bzw. Assistieren und die Visualisierung von Inhalten verwirklichten bereits große Teile jener Barrierefreiheit, von der viele in unserer Gesellschaft träumen.

Damit diese Vision kein Traum bleiben muß, sind Interessierte, Engagierte und Betroffene zur nächsten NEUDIETENDORFER FACHTAGUNG vom 17.-20. Januar 2011 herzlich willkommen. Neudietendorf bietet als Tagungsort nicht nur die guten Arbeitsvoraussetzungen eines Evangelischen Zentrums, das über eine logistisch vorteilhafte Lage an den Autobahnen A4 und A71 sowie über eine günstige Bahnanbindung mit Anschluß an das ICE-Netz verfügt, sondern ist zugleich ein Ort mit historischer Atmosphäre und geistlichen Qualitäten, wo zuweilen Hörende und Sinnesbehinderte aufeinander zugehen, Erfahrung bzw. Neugier miteinander teilen und Hände reichen – im Sinne Jesu. Denn ER berührt Seelen und Gewissen, füllt Herzen und Verstand, stärkt Hände und Glauben. Dazu soll auch die NEUDIETENDORFER FACHTAGUNG 2011 dienen. Seien Sie dabei und lassen Sie sich überraschen!

Hier noch ein paar Notizen zum Nachlesen...

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