Fachtagung 2009
Bericht der Fachtagung 2009 PDF Drucken E-Mail

NEUDIETENDORFER FACHTAGUNG 2009


Dieses Jahr begann die Fachtagung nach einem geistlichen Impuls und der Vorstellungsrunde der Teilnehmenden mit einer Bibelarbeit zu Joh.2  unter Leitung der neuen Referentin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) für Sonderseelsorge, Kirchenrätin Barbara Killat. Abends war dann am Kamin Gelegenheit, auch persönlich sich näher kennenzulernen.

Tags darauf besuchten wir in Erfurt das Cochlea-Implant Rehabilitationszentrum Thüringen (http://www.ci-rehazentrum.de). Mit hoher Sensibilität und Kompetenz wurde uns vieles über die Organisation und Inhalte der Reha vorgestellt sowie über die Hörstatusentwicklungen und die neuen Herausforderungen in der Langzeitbegleitung bzw. Identitätsentwicklung von CI-Patienten. Besonders lebendig wurde die Thematik durch die Schilderungen einer Betroffenen, die von ihren Erfahrungen und ihrem Engagement für Barrierefreiheit berichtete.

Pfr. Schmitz-HübschDiese Problematik fügte sich gut zum Referat „Die prophetische Dimension der Spezial-Seelsorge“ des Vorsitzenden der Schweizerischen Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Gehörlosen- und Schwerhörigenseelsorge, Pfarrer Schmitz-Hübsch. Er gab einen sehr persönlichen Bericht über die generelle Situation von Seelsorge der Gehörlosen und Hörbehinderten in der Schweiz (http://www.cosm-sogs.ch) und über die Vernetzung mit der Katholischen Behindertenseelsorge des Kantons Zürichs speziell (www.gehoerlosenseelsorgezh.ch). Dabei machte er z.B. auf den Leitfaden „Hindernisfreie Pfarreien“ aufmerksam (http://www.hindernisfreiepfarreien.ch), der – als ein wichtiger Schritt auf dem Weg hin zu einem neuen theologischen Bewusstsein – statt der bisher üblichen Betreuungsmentalität in den Gemeinden „selbstbestimmtes Leben“ nach Willen der Betroffenen zu ermöglichen sucht. Beispiele gelungener Praxis veranschaulichten seine Ausführungen.

Berichte aus den nationalen Dachverbänden „Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Evangelische Gehörlosenseelsorge e.V.“ (DAFEG) bzw. „Evangelische Schwerhörigenseelsorge in Deutschland e.V.“ (ESiD) und aus dem „Internationalen Verband für Schwerhörigenseelsorge“ (IVSS) komplettierten den Überblick über den aktuellen Stand der Entwicklungen in diesem Arbeitsfeld.

Matthias MiddelkampDen praktischen Impuls für den Schwerpunkt „Schwerhörigenseelsorge“ gab der Tonmeister und Dozent für Studiotechnik und Akustik an der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ Weimar, Matthias Middelkamp. In seinem äußerst profunden Vortrag „Grundton. Vom Eigenklang der Räume, dem Einfluss des Hörens auf Raumwahrnehmung und Möglichkeiten der akustischen Gestaltung“ erfuhren wir anhand konkreter Tonbeispiele, wie die akustischen und physikalischen Klangeigenschaften von Räumen mit handelsüblichen (!) Materialien verändert werden können. Dass dabei Stoffe und Textilien das Sprachverständnis eher erschweren als begünstigen, gehörte für viele genauso zu den überraschenden Momenten wie die Erkenntnis, dass Kommunikation hauptsächlich durch Schwingungen im Tieftonbereich gestört wird.

Daneben wurde der Praxistag „Gehörlosenseelsorge“ in diesem Jahr durch Workshops der Gebärdensprachdozentin Katrin Koschollek und der Dolmetscherin Ursula Schiebel aus Erfurt gestaltet. An biblischen Sprüchen und Geschichten erarbeiteten sie mit uns nicht nur sprachliche, sondern vor allem hermeneutische Kompetenz. Insbesondere die klare Positionierung der Akteure und Objekte im Gebärdensprachraum sowie ihre Beziehungen zueinander erbrachte – auch theologisch – so manchen Mehrwert. Der kulturelle Abend wurde dafür sogar um einiges verschoben.

KochÜber die aktuelle soziale Gesetzgebung referierte die Mitarbeiterin des Integrationsfachdienstes in Jena, Sabine Koch. Ausgesprochen anschaulich und lebensnah berichtete sie, wie 2008 die Versorgungsämter aufgelöst und somit z.B. auch die Thematik „Hörgeräteversorgung für Berufstätige“ in neue Zuständigkeiten überführt wurde. Darüber hinaus lenkte sie auf die Problematik der alters- UND behindertengerechten Wohnformen unser Augenmerk sowie auf die Frage nach einer DGS-fähigen Vorsorgevollmacht bzw. Patientenverfügung. Ein gemeinsamer Sakramentsgottesdienst beendete die Neudietendorfer Fachtagung 2009, mit dessen Predigt über Joh.2 sich der Kreis zum Anfang schloss.

Neudietendorf bietet als Tagungsort nicht nur eine historische Atmosphäre und geistliche Qualitäten, sondern auch die guten Arbeitsvoraussetzungen eines Evangelischen Zentrums, das u.a. aus dem Pädagogisch-Theologischen Institut, dem Evangelischen Medienzentrum, der Evangelischen Akademie Thüringen sowie dem Gemeindekolleg der VELKD besteht. Zudem hat die logistisch vorteilhafte Lage an den Autobahnen A4 und A71 bzw. die günstige Bahnanbindung mit Anschluss an das ICE-Netz viele Teilnehmende der Fachtagung dazu bewogen, sich auch im kommenden Jahr (11.-14.1.2010) wieder auf den Weg zu machen zur EKD-weit renommierten Fachtagung für Schwerhörigenseelsorge bzw. Gehörlosenseelsorge in Neudietendorf.

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